Geschichten über 

Tante Laura

von Brigitte Waldner

(Autobiografisches)

Copyright auf Gedichte und Bilder: Brigitte Waldner

in 55 Episoden

Tante Laura ist nicht bieder E1
Tante Laura zeigt nicht Größe E2
Tante Laura blickt gern sauer E3
Tante Laura denkt vermindert E4
Kalle war ein Schreckgespenst E5
Tante Laura wird nicht schlauer E6
Tante Laura ist sehr gierig E7
Tante Laura war sehr kühl E8
Kalle machte sonntags Ausflug E9
Tante Laura sah Gefahren E10
Tante Laura möchte Gott sein E11
Tante Laura wiegelt auf E12
Mone hatte ein Genügend E13
Kalles Wutattacken E14
Auf dem Po gab es Gepatsche E15
Kam der Kalle von der Arbeit E16
Auf Spaziergang war der Kalle E17
Sie erfände die Geschichten E18
Eine Kindheit war's mit Schrecken E19
Durchzuhalten war sehr wichtig E20
War der Roland hier auf Urlaub E21
Um dem Terror auszuweichen E22
Tante Lauras Tochter Anne E23
Mit den Nachbarn von der Laura E24
Kalle liebte kreuz und quer E25
Kalle hat sich durchgesetzt E26
Tante Laura zeigt die Liebe E27

Wahre Worte unter Freunden E28
Lisa hat sehr schlechte Karten E29
Tante Laura möchte erben E30
Tante Lauras Streiche enden niemals E31
Tante Laura ist katholisch E32
Tante Laura ist versorgt E33
Tante Laura sieht gern Blaulicht E34
Vom Martinshorn das Tü-Ta-Tü E35
Witwe Laura ging spazieren E36
Lauras Mordabsichten E37
Trifft die Mone auf die Lisa E38
Witwe Laura hat ein Gärtlein E39
Tante Laura hat Geburtstag E40
Es geschah am Sonntagmorgen E41
War die Lisa über dreißig E42
Tante Laura war sehr strikte E43
Jeder macht auf Lisa patsch E44
Tante Laura ist sehr mühsam E45
Tante Laura ging mal beichten E46
Tante Laura macht sich Sorgen E47
Tante Laura liebt das Leben E48
Tante Laura geht zu Fuß E49
Witwe Laura weint am Grabe E50
Witwe Laura ist erkrankt E51
Witwe Laura hat Rollator E52
Tante Laura ist verstorben E53
Tante Lauras Diagnose E54
Tante Lauras Haus verkauft E55

Episode 1

Tante Laura ist nicht bieder,
handelt sie doch stets zuwider,
viele Gräser-Samenarten
streut sie im Gemüsegarten

ihrer Nichte. Das kommt vor,
Blumen kommen nicht empor.
kein Gemüse wächst hier mehr,
nur noch Gras, ein ganzes Meer.

Wäre Tante Laura bieder,
trüge sie ein schönes Mieder
aus der Trachtenkollektion.
Schneidern kann die Dame schon.

Keine Harfe spielt die Tante,
tratscht im Dorfe auf dem Lande:
„Faul sei nun einmal die Nichte,
dass der Garten ihr nicht glückte.“

„Nein“, sagt Lisa im Gedichte,
das ist Tante Lauras Nichte,
„Schwierigkeiten macht die Tante,
Tante Laura, die Verwandte.“

Seht der Tante saure Blicke,
sie beneidet ihre Nichte,
täglich handelt sie zuwider,
macht die Nichte ständig nieder.

Alsdann zischt ein Blitz mit Wumm,
und dann kracht der Donner Bum,
und dann fliegen Hagelkörner,
Tante Laura um die Hörner,

dass es auf dem Blechdach scheppert,
hat sie doch nicht umgeblättert,
handelt weiterhin zuwider,
Tante Laura ist nicht bieder.

Episode 2

Tante Laura zeigt nicht Größe,
achtzig Jahre ist sie fit,
nackte Beine bis zum Schritt,
sonnenbadend zeigt sie Blöße.

Sonntags liegt sie in der Sonne
auf der Liege unterm Baum
und ersinnt sich was im Traum,
was die Nichte nicht verschone.

Kommt die Nichte in den Garten,
wacht die Tante auf - verwandelt,
Feuerdrache zischt und handelt,
und dann grillt sie ihren Braten.

Tante Laura ist sehr kleinlich,
denn von ihrem Mittagsschmause
kriegt die Nichte keine Jause.
Teilen ist ihr unwahrscheinlich.

Lieber wirft sie auf die Nichte
mit dem Fallobst, Apfel, Pflaume,
vorbereitet unterm Baume.
Darauf übt sie nie Verzichte,

stellt sich unter ihre Brause,
aber doch nicht mit Bekleidung?
Aber ja doch mit der Zeitung
duscht sie sich in ihrem Hause,

ruft danach den Polizisten,
stellt sich vor ihn, klatsche nass,
einfach so, als wie zum Spaß,
lügt, dass Lisas Schläuche spritzten.

Sie verschaukelt alle böse,
nass sei sie von Kopf bis Bauch.
Aber nicht von Lisas Schlauch!
Tante Laura zeigt nicht Größe.

Episode 3

Tante Laura blickt gern sauer
über eine Trockenmauer,
in den Garten ihrer Nichte,
nachts und auch bei Tageslichte.

Meterhohe Gräser wachsen,
machen auch noch ihre Faxen,
blühen, werfen Samen aus,
und die keimen alle auf.

Blumen haben keine Chancen,
viel zu nieder sind die Pflanzen,
aber diese Sonnenblumen
sind ja wirklich keine Dummen,

strecken sich zwei Meter hoch,
gute Wahl, die wachsen noch
dort inmitten Lisas Garten,
wo sie auf die Meisen warten.

Viele Vögel werden kommen
Lisa wird sie gern belohnen,
werden reife Körner picken,
wenn die Helianthen glücken.

Doch nach gar nicht langer Dauer
kommt schon Lisas Tante Laura
nach den Sonnenblumen sehen,
und sie werden mit ihr gehen.

Früh am Morgen kann das sein,
oder nachts im Vollmondschein,
Laura klettert dreist herauf,
reißt die Sonnenblume aus.

Ratsch, da reißen auch die Kleider,
patsch, da fällt die Tante leider
von der Meter hohen Mauer,
und dann blickt sie wieder sauer.

Episode 4

Tante Laura denkt vermindert,
aber sie ist nicht behindert,
denn seit langen sechzig Jahren,
die im Streit vergangen waren,

geht sie auf die Nichte los,
und ihr Hass ist grenzenlos.
Laura fordert unverfroren,
Lisa würde nicht geboren.

Lisa sei - trotz des Verbotes -
doch im Namen Christengottes
nach der Zeugung abzutreiben,
doch die Lisa wollte bleiben.

Warum hat sie das verlangt?
Weil sie um das Häuschen bangt,
was die Lisa erben könnte,
was sie absolut nicht gönnte.

Lisa sollte man entfernen,
ganz hinauf bis zu den Sternen,
wenigstens verschwinden lassen,
hinter Mauern würde passen.

Heute ist die Tante Witwe,
damals war sie noch Geliebte
von dem Kalle, ihrem Manne.
Für die Töchter Mone, Anne,

wollte sie das Elternhaus,
und sie ließ den Teufel raus:
Stieß die Kleine an den Stiegen,
sagte dann, sie würde lügen.

Lisa wurde oft verleumdet
und ganz sinnlos angefeindet,
mit dem Ziel, sie wegzuzaubern,
niemals fand sich ein Bedauern.

Episode 5

Kalle war ein Schreckgespenst,
schlimmer als du jemals denkst,
zog an Lisas blondem Zopf,
schlug ihr Beulen auf den Kopf

mit dem Schlüssel in der Hand,
was die Lisa schmerzhaft fand,
und auch mit geballter Faust.
Da den Kalle vor nichts graust,

schreit er wild in Lisas Augen:
„Dir wird niemand etwas glauben!“,
zog dann Lisas Hose runter,
das geschah im Rausch mitunter,

vor dem Abgrund zu dem Fluss,
für den Kalle zum Genuss,
wo er sie im Jähzorn watschte,
und mit einer Rute patschte.

Birkenruten mit Brennnesseln
wird die Lisa nicht vergessen,
denn es grub sich das Gequäle
tief in ihre Kinderseele.

Auf den nackten Po schlug Kalle
mit der Rute. Tausend Male
bimmelten die Kirchenglocken,
Kalle konnte das nicht schocken.

Kalle dreht am Ohr sogar,
bis die Lisa dreizehn war.
Wildes Wasser rauscht in Wellen,
schluckte viele Kindertränen.

Hohen Alters ist der Kalle
eines Tages umgefallen,
machte Laura stracks zur Witwe,
Gott erbarmte sich der Nichte.

Episode 6

Tante Laura wird nicht schlauer,
sie zerstört die Gartenmauer;
jenseits liegt ihr Grundstück tiefer,
diesseits das der Nichte höher.

Lisas Opa, sehr erfahren,
hat vor runden sechzig Jahren
mit der Oma sie errichtet,
Stein um Stein perfekt geschlichtet,

bis die Trockenmauer stand.
Wie ein kunstvoll schönes Band
trennte sie zwei Grundstücke,
darin war nicht eine Lücke.

Eisenrohre zum Entwässern,
um das Bauwerk zu verbessern,
waren damals eingebracht.
Laura ging daran bei Nacht,

hat mit Erde sie verstopft,
mit Beton ganz zugepfropft,
hat sich oft daran verbissen,
alle drei dann rausgerissen.

Nachher lockerte sie Steine,
mit der Stange und dem Keile,
zog sie etwas weiter vor,
kletterte darauf empor,

wie auf einer Treppenleiter,
und das ging so immer weiter,
schließlich gab die Mauer nach,
wo ein Stein dann aus ihr brach.

Steine hat sie nicht geraubt,
Reparieren nicht erlaubt,
Zutritt wird nicht mehr ermöglicht,
doch sie pflegt die Mauer täglich.

Episode 7

Tante Laura ist sehr gierig,
schon von Kind an war sie schwierig,
fuhr nach Baden mit dem Kalle,
mit dem Auto alle Male,

als sie noch in Blüte war,
einmal mindestens pro Jahr,
bat dort eine alte Tante,
dass sie Lisa Bargeld sandte.

Dieses brachte sie nicht heim,
selber streifte sie es ein
und fingierte Danke-Karten
jedes Mal nach deren Fahrten.

Kalle finanzierte Autos,
grinsend, schweigend und respektlos.
Seinen Töchtern Anne, Mone,
kaufte Kalle Mikrophone,

Instrumente für Musik,
zahlte Lehrer mit Geschick,
spielen können beide nichts,
trotz des teuren Unterrichts.

Neue Möbel kaufte Kalle
machte Urlaub viele Male,
tauschte Dach und die Terrasse
und war immer gut bei Kasse.

Fuhren jedes Jahr nach Baden,
sich mit Bargeld zu beladen,
nahmen Opas Schwester aus,
vor dem Tod flog das erst auf.

Umgerechnet ist das heute
mindestens ein Haus als Beute.
Tante Laura kann nicht teilen,
ihre Gier kann niemand heilen.

Episode 8

Tante Laura war sehr kühl,
wenn sie grinste, einfach still,
dann war schon etwas passiert,
was die Laura nicht geniert.

Das, was Opas Schwester schickte,
kam ihm niemals zu Gesichte,
Laura holte es von dort,
mit dem Kalle fuhr sie fort.

Rumsti bums, da hat’s gekracht,
Unfall hat er mal gemacht,
denn er war ja farbenblind,
sah nicht, wie die Ampeln sind.

Stand die Ampel auf der Strecke
mal auf Rot zum Anhaltzwecke,
hielt der Kalle sie für grün,
Strafe zahlt er immerhin!

Nie ist Kalle aufgefallen,
doch die Nichte weiß von allem,
Laura hat sich sehr empört,
Lisa hat den Streit gehört.

War sein Auto mal kaputt,
was dem Kalle gar nichts tut,
kaufte er ein neues gleich,
denn der Kalle war ja reich.

Jedes Jahr fuhr er nach Baden,
Geld und Sachen aufzuladen.
Das Ersparte eines Jahres
gab die Dame, alles Bares.

Kalle rauchte Zigaretten,
die nun gar nichts Gutes täten.
Seine Kinder in dem Wagen
mussten den Gestank ertragen.

Episode 9

Kalle machte sonntags Ausflug

mit dem Auto und dem Schnellzug,
mit dem Geld der Badner Tante (!),
das sie für die Lisa sandte.

Mit Familie zum Essen
ist er sonntags aus gewesen,
irgendwo im Restaurant,
in der Stadt und auf dem Land.

Für die Töchter, Mone, Anne,
gab es sonntags eine Kanne
mit Kakao und Sahnetorte,
sprachen drüber keine Worte.

Kalle wurde mal gesehen
und so musste es geschehen,
dass die Kunde sich herumsprach,
und man dachte drüber nach,

wie er das nur finanziert,
Maurer war er, Baupolier,
sooo viel hat er nicht verdient,
wie er ausgab und sich ziemt.

Damals gab es noch kein Lotto.
„Sparen, sparen!“, war sein Motto.
Woher hatte Kalle Geld,
ob es wo vom Baume fällt?

Tante Laura, eine Hausfrau,
hatte Bad und schon TV
und ein Festnetztelefon,
und man wunderte sich schon,

was der Kalle hat und kann,
man bewunderte den Mann,
wie er spart und trotzdem lebt
und sich aus der Armut hebt.

Episode 10

Tante Laura sah Gefahren,
die nicht zu verhindern waren,
schließlich ging es ihr ums Erbe,
was sie nicht mehr erben werde.

Laura ließ nichts unterbleiben,
um die Lisa zu vertreiben
aus dem Haus der Großeltern,
welche sie als Erbin wählten.

Zu der Nichte war sie kleinlich.
Tante Laura sagte heimlich,
sie soll Süßigkeiten stehlen,
tat es ihr direkt empfehlen,

sagte dem Geschäftsmann prompt,
dass die Lisa klauen kommt,
und das war in drei Geschäften,
wo sie Lisa überprüften,

was sich über Jahre hielt;
aber Lisa, die nicht stiehlt,
wurde nicht zum Dieb erzogen,
Lisa hat auch nicht gelogen.

Mama hat sie aufgeklärt,
dass man Diebstahl nicht gewährt.
Lisa war nicht zu verleiten,
wollte keine Süßigkeiten.

Tante Laura aber schmollte,
Lisa, die sehr dumm sein sollte,
wird sie niemals etwas schenken;
ach, das kann man sich ja denken.

Lisa weiß das durchzustehen,
und sie lernt schon früh zu sehen,
was die Menschen sich erlauben,
ist oft fern vom guten Glauben.

Episode 11

Tante Laura möchte Gott sein,
mischte Pilze ins Kompott ein,
dieses aß die kleine Nichte,
eine tragische Geschichte,

hatte dann ganz plötzlich Durchfall,
Bauchweh, Schmerzen überall,
musste brechen und das Fieber
kam dann über alles drüber.

Als das Sterben nicht gelang,
sagte Laura, wie man hang
mit dem Strick am Apfelbaum,
dann erfülle sich ein Traum.

Mone hatte zugeschaut,
Kaugummi hat sie gekaut.
Sollte Lisa wirklich hängen?
Tante Laura tat sie drängen,

bis sie keinen Ausweg sah,
wo ein Wunder dann geschah.
Laura sagte, dort im Himmel
wartet Vater mit dem Schimmel.

Abgerissen ist der Strick,
und die Lisa hatte Glück.
Äste wurden abgesägt,
als sich Opa unentwegt

Sorgen über Laura machte,
was sie sich dabei so dachte.
Damals war die Lisa sieben,
Tagebuch hat sie geschrieben:

„Stürzte Lisa ins Verderben,
könnte Laura alles erben.
Mama warnte: Tu das nicht,
weil ihr Herz dabei zerbricht!“

Episode 12

Tante Laura wiegelt alle
gegen Nichte Lisa auf,
diese lässt sich das gefallen,
wie ein Lamm im Gotteshaus.

Mone machte zwicke zwacke
der Kusine in die Backe,
aufgehetzt, seit eh und je,
tut sie Lisa gerne weh.

Lisas Fahrrad und das Spielzeug
machte Mone gleich kaputt,
und sie kickte Lisas Schienbein
unterm Tische: „Das tut gut!“

sagte Laura zu der Mone,
grinste sauer, wie Zitrone,
dann der Lisa ins Gesicht,
"ihre Mone tut das nicht".

Nein, die Mone tut ja nie was,
stellt sich dumm, als wäre nix,
und die blauen Flecken Lisas,
waren doch von Mones Kicks.

In der Schule wird bewusst
der Direktor aufgehusst,
auf die Lisa loszugehen,
und das ist dann auch geschehen.

Später husste Tante Laura
ständig die Beamten auf,
wo der Kalle dort als Maurer
mauerte in deren Haus.

Tante Laura wiegelt alle
gegen Nichte Lisa auf,
den Juristen zum Gefallen,
denn es zahlt sich für sie aus.

Episode 13

Mone war in Deutsch "Genügend“,
wird dem Lehrer dann verübelt.
Lisa wird dafür verprügelt
von dem Kalle, sich vergnügend.

Lisa hatte viele „Sehr gut“
nicht nur anfangs, später noch,
Tante Laura sagte: „Och,
wie die Schule unrecht tut!“

Mone lernte lange Zeit
das Akkordeon zu spielen,
doch man konnte es erfühlen,
üben machte ihr nie Freud.

Mone hasste täglich üben,
wollte lieber draußen spielen,
musste sich mit Noten quälen,
mit der Schwester Anne drüben.

Jahrelange Übungsstunden
auf den Ziehharmoniken
und dazu die Notenstudien
haben nicht zum Ziel gefunden.

Mone traute sich nicht singen,
fand nicht mal das Eingangstor,
Lisa muss zum Schülerchor
jedes Mal die Mone bringen.

Aber Lisa lernt nicht singen,
darf die Lippen nur bewegen,
das muss man sich überlegen,
was soll ihr das Playback bringen?

Musikalisch war die Mone
und erfüllt mit Lampenfieber,
schaute nur zum Boden nieder,
schüchtern wie die reinste Nonne.

Episode 15

Auf den Po gab es Gepatsche
links und rechts auf jede Backe,
bis er schmerzlich dunkelrot
nichts mehr fühlte - taub wie tot.

Auf den Kopf gab es Geklopfe
mit der Faust am Hinterkopfe,
oder mit dem großen Schlüssel,
es hat wahrlich wehtun müssen.

Auf der Faust vier Hügelchen,
sehen aus wie Bügelchen,
sind Gelenke von den Knochen,
die wie Eisenhämmer pochen,

hämmern auf die Köpfe kräftig.
Kalle hat sich gern beschäftigt,
kleine Kinder zu verhauen,
daran hatte man zu kauen.

Birkenruten mit Brennnesseln
dienten Kalle oft zum Peitschen,
dass ihm seine Lieblingswaffe
nachhaltig Respekt verschaffe.

Büschelweise riss er Haare
von den Köpfen Jahr für Jahre,
damit könnte er Perücken
für die Glatze blond bestücken.

Und durch Haare kürzer schneiden
war der Schmerz nicht zu vermeiden,
war man wie ein Bub geschoren,
drehte er an beiden Ohren.

Viele Male hatte Kalle
auch die Lisa in der Kralle,
von der Laura angeschwärzt,
schlug er sie gewaltbeherzt.

Episode 14

Tante Laura saß am Stuhle
weinte Tränen in der Schule,
zog die Show ab mit dem Ziele
schöner Noten, möglichst viele,

für die Töchter Mone, Anne,
wenn es ging, nach ihrem Plane,
lauter Einser in die Zeugnisse.
Gute Gründe waren diese:

Kalle schlug sonst seine Töchter
auf den Po und in Gesichter,
wenn sie keine Einser brachten,
dass die Kleidernähte krachten.

Tante Lauras Nichte hörte
nie, dass Laura sich beschwerte
gegen seine Wutattacken.
Ihre Kinder ließ sie packen.

Unterhose ausgezogen,
Kindlein übers Knie gebogen,
schlug er es mit flinker Hand,
ohne jeden Widerstand.

Gab das Kind bewusstlos Ruh,
Kalle schlug noch kraftvoll zu,
bis die Töchter zwanzig waren,
und er riss sie an den Haaren.

Kalle drehte an den Ohren,
dass sie heiß und blutig wurden
und ein ganzes Leben lang
war dem Kind vor Kalle bang.

Kalle durfte Kinder schlagen,
und man musste danke sagen,
sich entschuldigen und gehen,
ohne sich noch umzudrehen.

Episode 16

Kam der Kalle von der Arbeit,
nützte er die karge Freizeit,
seine Kinder auszuklopfen,
an den Pos und an den Köpfen.

Wenn sich keine Kinder fanden,
schlug er einfach die Verwandten.
Er bedrängte Lisas Mutter,
Kalle war kein wirklich Guter,

steigerte sich bei den Taten,
und das wurde nie verraten,
bis in einen Rauschzustand,
kraftvoll war die Maurerhand.

Während Kalles Hände schlugen,
stieg das Blut in seinen Kopf,
dunkelrote Farben trugen,
wie aus einem Purpurtopf,

sein Gesicht, der Hals, die Ohren.
Opfer, von ihm auserkoren,
grinste er ganz zynisch an,
Kalle hatte Spaß daran.

Grinse, grinse mit den Lippen,
Zahnfleischlächeln inbegriffen.
Üble Mundgerüche sagen,
Kalle hat Geschwür im Magen.

Aus dem Munde sabbert er,
Kalle, der erregt sich sehr,
und man weinte oft im Zimmer,
wünschte sich, man lebte nimmer.

Nein, man schritt nicht zu Gerichte,
traute sich nicht zu berichten.
Tante Laura braucht die Liebe
und vom Kalle auch die Hiebe.

Episode 17

Auf Spaziergang war der Kalle
mit Familie am Sonntag,
und sie hielten an der Birke
eine Pause mit dem Auftrag,

ihre frischen Frühlingszweige
anzuschauen, und danach
war es niemals zu vermeiden,
dass sich Kalle Zweige brach.

Ach, ein ganzes dickes Bündel,
so viel jeder tragen kann,
dafür gab es dunkle Gründe,
trugen sie nach Hause dann,

wo er dieses Bündel teilte,
sorgfältig die Zweige zählt,
als er Ruten zubereitet,
sieben Stück pro Rute wählt.

Jedes seiner Rutenbündel
bindet er mit dünnem Draht,
damit peitscht er jedes Kindel,
Laura weiß sich keinen Rat.

Dieses Schlagen nennt er Wix‘n
auf den nackten Kinderpo,
und die Nichte nennt er Schicks‘n.
Kalle zeigte sein Niveau.

Von der Rute gab es Striemen,
aufgerissen war die Haut,
aus entblößten Kinderbeinen
hat das Blut herausgeschaut.

Niemand hat verschmutzte Wunden
dann versorgt dem kleinen Kind,
Salbe hat es nicht gefunden,
die Entzündung griff geschwind.

Episode 18

Sie erfände die Geschichten,
weiß die Tante zu berichten,
Lisas Fantasie sei groß,
tat sich weh beim Spielen bloß:

Lisa fiel auf Kellertreppen,
davon kämen blaue Flecken,
lief bestimmt durch Brennnesseln
zu den Ziegen und den Eseln.

Alles war noch sehr viel schlimmer,
doch die Lisa weiß es nimmer,
hat es im Gehirn gelöscht,
und die Tränen abgewischt.

Eigentlich soll sie nicht da sein,
und ein Märchen soll nicht wahr sein;
es beeinflusst Lisas Leben,
machen kann sie nichts dagegen.

Kommen die Gedanken wieder,
schreibt sie Lisa einfach nieder,
momentan ist da nur Leere
und der Kopf füllt sich mit Schwere.

Öfters mal ist da Migräne,
Sendepause, und die käme
von den Fäusten des Herrn Kalle,
schlugen wohl zu viele Male.

In der Stirne ist ein Stechen,
Lisa muss dabei erbrechen,
muss das Zimmer dunkel machen,
und es flimmern alle Sachen.

Schließlich hämmern viele Schmerzen,
Lisa trägt viel Leid am Herzen,
seit der Kalle sie misshandelt
und auch ihren Ruf verschandelt.


Episode 19

Eine Kindheit war’s mit Schrecken,
keine Freude zu entdecken,
höchstens bei den Übeltätern.
Keine Einsicht, nicht mal später!

Ach, das hielt man für normal,
schlagen war dereinst legal,
und man war dazu verpflichtet,
dass man nichts davon berichtet.

Blaue Augen, die man fing,
nannte man ein Unfallding,
oft beim Spielen und beim Laufen,
oft beim in den Spiegel schauen,

wo man in die Glastür rannte,
anstatt dass man Kalle nannte.
Das beendete die Fragen
und man konnte Ruhe haben.

Lisa wurde auch bedroht,
sie bestraft der liebe Gott,
Gründe konnte man nicht nennen,
aber Gott wird sie schon kennen.

Wer sich mal dagegen wehrt,
der wird einfach eingesperrt
irgendwo ins Kinderheim,
und dort wäre man gemein.

Alle glaubten nur dem Kalle,
und das wäre eine Falle,
nie mehr käme man nach Haus,
lebend käme keiner raus.

Lisas Mama würde weinen
und die Sonne nicht mehr scheinen,
Oma, Opa würden sterben,
Tante Laura könnte erben.

Episode 20

Durchzuhalten war sehr wichtig,
Lisas Mama fand das richtig,
und das Schweigen wurde Pflicht,
Narrenfreiheit galt dem Wicht

in den fünfundsiebzig Jahren,
die die reinste Hölle waren
für die Opfer, die er schlug
und bedrängte oft genug.

Fragst du heute Mone, Anne,
wie es damals war mit Kalle,
lügen sie dir ins Gesicht:
"Unser Vater schlug uns nicht!"

Tante Laura bat den Kalle,
bitte hau sie nicht so dolle,
statt es strikte zu verbieten,
um das Schlagen zu verhüten.

Aber Mones Freund, Janpeter,
sagte zu dem Übeltäter:
„Jetzt mach aber Schluss mit Schlagen!“
Nicht noch einmal soll er’s wagen.

War der Kalle guter Laune
übte er auf der Posaune.
Tante Lauras Krächz-Gesänge
ruinierten ihre Stimme.

In Pension ging er spazieren,
und im Langlauf sich trainieren.
Doch sein Herz, die schwache Pumpe,
war vom Schlagen schon Gelumpe,

hat zu lange es gemacht,
und versagte über Nacht.
Um den Kalle ist nicht schade.
Niemand weint an seinem Grabe.

Episode 21

War der Roland hier auf Urlaub
bei der Lisa, jung an Jahren,
stach ihm jemand einen Reifen
kurz vor dem Nachhause-Fahren.

Nachgesagt ward es dem Kalle,
Platte gab es öfters Male.
Tante Laura ging dazwischen,
Rolands Urlaub aufzumischen.

Roland kam danach nie wieder,
war genervt von Tante Laura,
eine andere war ihm lieber,
deren Tanten waren sauber.

Lisas Traumprinz war der Roland,
aus der Schweiz und recht charmant,
deshalb hat ihn Tante Laura
fortgeekelt aus dem Land.

Laura sagte zu dem Roland,
er soll sich von Lisa trennen.
Als er überstürzt verschwand,
hinterließ er Abschiedstränen.

Schwanger dürfe sie nicht werden,
denn ihr Baby würde erben.
Laura weiß sich einzumischen,
überall geht sie dazwischen.

Streng vertraulich, unter Christen,
wer will ins Hornissennest?
Laura rief oft Polizisten,
und sie nahmen Lisa fest.

Volle vierzig Jahre nachher
klärte sich der Vorfall auf,
Reifenstecher war die Hydra
aus dem Räuber-Nachbarhaus.

Episode 22

Um dem Terror auszuweichen,
setzte Lisa bald ein Zeichen:
Sie verließ dann die Verwandten,
die sie niemals anerkannten.

Mit der Eisenbahn fuhr Lisa
ganz alleine bis nach London,
und das ist das Herz Europas,
wo sie keinen Kalle vorfand.

Wunderschöne Jugendtage
brachten Lisa in die Lage,
dort am College zu studieren
und die Königin zu sehen.

Heimweh hatte Lisa selten,
denn sie war in freien Welten,
und nicht greifbar für die Tante
und die anderen Verwandten.

Kaum war sie zurückgekommen,
denn ein Jahr war flugs verronnen,
rief die Laura Polizisten,
die sie drangsalieren müssten.

Lisa sah, wie Nachbars Katze
heimlich auf die Amsel spitzte,
dass sie in die Hände klatschte,
um die beiden aufzuscheuchen.

Lisa hätt auf sie geschossen,
log die Laura unverdrossen,
hat es aus der Luft gegriffen,
und sie wurde abgewiesen.

Schüsse müssten viele hören,
auch die Nachbarn, die erklären:
„Niemand hat herumgeschossen!“
Tante Laura treibt nur Possen!

Episode 23

Tante Lauras Tochter Anne
sagte ihrem Ex-Freund Hannes,
Lisa soll er kurzum schwängern,
vieles würde sich dann ändern.

Tante Laura drohte Lisa
hätte sie ein Kindlein, dieses
würde sie ihr nehmen lassen.
Ja, das würde ihr so passen.

Eine Kauffrau war die Mutter.
Ihr Charakter war ein guter,
sagte gleich zu ihrem Knaben:
„Dann wirst du Probleme haben,

nämlich zahlst du Alimente,
du stehst dann im Dokumente
als der Vater lebenslänglich,
dieses wird für dich verfänglich!“

„Ach, das wird doch abgetrieben,
Anne hat es ihm beschrieben,
höchstens wird es adoptiert,“
meint der Sohn dann motiviert.

Oh, der Mutter wurde bange,
redet auf den Sohn ganz lange
ein und sagt, was ihn erwartet,
dieses Spiel sei abgekartet.

Dieser Mann kam dann zu Lisa,
Schach zu spielen, Hannes hieß er,
und im Zuge dieses Spieles
hörte Lisa dann sehr vieles.

Doch als Braten in der Röhre
hatte Anne eine Göre,
und danach noch einen Sohn,
von zwei Vätern, wie zum Lohn.

Episode 24

Mit den Nachbarn von der Laura
stritt der Kalle auf die Dauer
von exakten sechzig Jahren,
wo sie gar nicht schwierig waren.

„Lisa, du musst Stinker sagen“,
fordert Laura Lisa auf,
damals, wo in Kindertagen
sie vorbeiging an dem Haus.

Wenn die Lisa Stinker sage,
zu den Nachbarn von der Laura,
sei sie eine liebe Brave,
und der Kalle macht kein Aua.

Und die Lisa, lieb, wie Schafe,
hielt sich zu die Kindernase,
sagte zu dem Manne Stinker,
aufgehetzt, wie Lauras Kinder.

Lisa tat, wie ihr befohlen,
doch der Kalle kam sie holen,
wenn er Lust zum Schlagen hatte,
Stinker stand nicht zur Debatte.

Lisa, aufgewacht vom Koma,
zeigte ihrer lieben Oma
Blut und Striemen an den Beinen,
und dann mussten beide weinen.

Erst am Abend kam die Mama
von der Arbeit müde heim,
und dann ging sie mit der Lisa
gleich zu Kalles Nachbarn rein.

Lisa wurde dort entschuldigt,
Kalles Nachbar war gehuldigt,
gab ihr schließlich, wohl aus Gnade,
Waffeln und auch Schokolade.

Episode 25

Kalle liebte kreuz und quer,
junge Damen, bitte sehr,
Kalle nahm sie Querbeet her,
wie es kam und immer mehr.

Ja, das auf die lange Dauer
neben seiner hübschen Laura.
Laura nahm sich Schwager Wille,
und vermittelt ihm Gefühle.

Wille gab sie Tee mit Rum,
kriegt ihn arglistig herum,
er spendiert ein Taschengeld –
regelmäßig, das ihm fehlt,

um den Haushalt zu bestreiten,
lässt sich auch dazu verleiten,
sehr Privates auszuschwätzen.
Lauras Messer wird sich wetzen.

Und die Schwester, traurig drüber,
sagt zum Wille: „Geh nur rüber,
du musst dich nur bald entscheiden,
welche willst du von uns beiden?“

Immer wieder lockt es Wille
zu der Laura in das Haus,
und das rüttelt an der Ehe
und es stachelt Wille auf.

Laura ging er oft besuchen,
Tee mit Rum und ein Stück Kuchen,
das kredenzte sie ihm dort,
und dann fuhr er wieder fort,

mit dem Auto, leicht beschwipst,
nie hat ihn Radar geknipst,
Wille hat schon aufgepasst,
und er wurde nie gefasst.

Episode 26

Kalle hat sich durchgesetzt
bis zu seiner letzten Ruh,
Lisa, von ihm schwer verletzt,
schlug er Tür um Türe zu.

Kalle war sehr angesehen
unter seinesgleichen Menschen,
gegen Kalle vorzugehen,
hatte Lisa keine Chancen.

Kalle knüpfte ja Kontakte
zu den einflussreichen Amtsherren,
während Laura sich abplagte,
mit den Gattinnen und Müttern.

Jedem Herrn mit Rang und Titel
kroch der Kalle ins Gehirn,
Kalle nützte sie als Mittel,
Narrenfreiheit einzuführ‘n.

Lisa hatte schlechte Karten,
wo die Laura Einfluss hat,
und das war dort zu erwarten,
wo der Kalle mauern tat.

Kalle war gelernter Maurer,
Handwerker hat man gesucht,
Kalle arbeitete sauber,
und er war meist ausgebucht

als ein guter Schwarzarbeiter
bei den Herren Direktoren,
bei dem Amtsherrn und so weiter,
und er blieb stets ungeschoren.

Schwarzarbeiter erster Klasse,
Kalle war in Frühpension,
immer voll war seine Kasse,
steuerfrei kam er davon.

Episode 27

Tante Laura zeigt die Liebe
ihrem Kalle auf der Liege
und im Schutz des Apfelbaumes
nördlich ihres Eigenheimes.

Lisa sah von oben runter,
Jahr für Jahr erblüht es bunter
auf der Wiese in dem Garten,
wo auf Bienen Blumen warten.

Und die Lisa hat’s gesehen,
sowas darf doch nicht geschehen.
Unzumutbar vor dem Kinde
ging die Schraube ins Gewinde.

So kam Anne in die Röhre,
Kalles kleine, freche Göre,
nicht hat sie der Storch gebracht,
sondern’s Christkind über Nacht.

„Tante Laura - eine Heiße,
ihre Leber - eine Weiße“,
keine Ahnung, was es hieße,
Lisa hörte Worte diese.

Und sie klapperten besessen
mit den Löffeln, Eis zu essen,
auf den neuen Liegestühlen,
in der Hitze, in der schwülen.

Zehn Minuten Tapp-Geklapper,
ohne jedes Wort Geplapper,
dass die Lisa rüber schaute,
wie man sich am Eis erfreute.

Sonntags gab es heiße Liebe,
Himbeereis mit Rumgeschiebe,
gern im prallen Sonnenschein,
Laura wollte brauner sein.

Episode 28

Wahre Worte unter Freunden:
Um die Lisa zu verleumden,
backte Laura feinste Kuchen,
ging die Polizei besuchen,

nicht in dem Bürogebäude,
nein, zu ihrer Lebensfreude,
ganz privat in deren Villa,
referiert sie einen Thriller,

wo sie Lisa diffamiert,
weinend und sehr kleinkariert.
Mütterlein von Polizei
schildert Lisa allerlei

auf der Fahrt in einem Zug,
was die Lisa so erfrug.
Hoppala, das ist ja prima,
Kalle war dort mauern immer.

Polizeichef ist befangen
Lisa ständig angegangen,
um es Laura recht zu machen.
Lisa hatte nichts zu lachen.

Mütterlein von Polizei
schildert manche Polterei
weiß nicht, wer die Lisa ist.
Laura trieb es wirklich wüst.

Lisa wurde abgeschmettert,
ausgelacht und dumm verheddert,
Narrenfreiheit hatte Laura
und war lebenslänglich sauer,

weil sie nicht mehr erben sollte.
Auch, wenn sich der Kampf nicht lohnte,
hörte sie nicht auf zu streiten.
Lisa ließ sich nicht verleiten.

Episode 29

Lisa hat sehr schlechte Karten,
wie nicht anders zu erwarten,
bei gewissen Spezialisten
steht sie auf den roten Listen,

die in ihren Vorurteilen
sehr befangen zäh verweilen
und die Lisa gerne triezen,
statt sie endlich zu beschützen.

Lisa ist Person ingrata,
und das reicht für die Traumata,
muss ein schweres Los ertragen,
was die Dritten tun und sagen.

Lisas Schicksal ist kein leichtes,
lebenslänglich aber reicht es,
alles einmal aufzuzeigen
und nicht immer nur zu schweigen.

Wer sieht schon die Lisa leiden?
Bestenfalls wird man sie meiden,
schlimmstenfalls wird sie beneidet,
finanziell dann ausgeweidet.

Tante Laura, die verzweifelt
Lisa überall verteufelt,
hat hernieder sie gerungen,
und ist böse draufgesprungen.

Eines aber soll man wissen:
Den Erfolg wird man vermissen,
der muss einem erst vergönnt sein,
denn an sonst stellt er sich nicht ein.

Kann man noch so vieles leisten,
wo sich Dritte stets erdreisten,
Stolpersteine aufzuwarten,
hat das Beste schlechte Karten.

Episode 30

Tante Laura möchte erben,
die Verwandten müssen sterben,
die dafür im Wege stehen,
und auch Kalle musste gehen.

Tropfe, tropfe, Träne, tropfe
aus dem Auge, aus dem Kopfe,
wischt die Nase, schnäuzt herunter,
Tante Laura putzt sich munter.

An die Witwe Laura treten
Trauergäste, Pfarrer, beten
noch ein "Vater unser" alle,
in der Erde liegt der Kalle.

Endlich hat er seine Patschen
aufgestellt und seine Watschen
gibt er oben in den Himmeln
einer Schar von jungen Engeln.

Halleluja, denkt die Lisa,
aber nichts wird deshalb besser.
Tante Laura möchte erben,
aber Lisa will nicht sterben.

Siebenköpfig, wie die Hydra,
geht die Laura los auf Lisa,
spricht von ihrer Nichte Schlechtes,
jedenfalls noch nie was Rechtes,

erst im Kreise der Verwandten,
dann vor vielen gut Bekannten,
dann geht sie zu Polizisten,
Lisa wäre auszumisten,

dann schließt sich der Teufelskreis,
und die Polizei läuft heiß.
Was soll einer daraus lernen?
Lisa lässt sich nicht entfernen!

Episode 31

Tante Lauras Streiche enden
niemals, nie und nimmermehr,
alle Menschen kann sie blenden,
Tante Laura ist nicht fair.

Unverständlich, wahrhaft schwierig
dreht sich alles nur ums Erben,
schändlich ist das, wie auch gierig,
jeder soll für Laura sterben.

Und so kam es, dass die Schwester
Adelheide plötzlich starb.
Traurig sah sie aus dem Fenster
aus dem zweiten Stock hinab.

Keiner weiß, was in ihr vorging,
allenfalls war sie gar krank,
Abschied nahm sie von der Laura
und den Liebsten, eh sie sprang.

Es geschah im Jahr 2000,
an Septembers erstem Tag,
einem Engelsrufe lauschend
der in lauen Lüften lag.

Nein, sie sprang nicht aus dem Fenster,
Adelheid fiel vom Balkon.
Dieser Unfall liegt im Finstern
und die Laura erbte schon

Adelheides beste Kleider.
Diese trug dann Tante Laura,
teure Schuhe und so weiter,
rund ein Jahr ging sie in Trauer.

Niemand wurde eingeladen
zu der schlichten Trauerfeier.
Laura sah man hinterm Wagen
neben Adelheides Anhang.

Episode 32

Tante Laura ist katholisch,
und sie wählt die FPÖ,
sonntags ging sie in die Messe,
und spaziert danach zum See.

Tante Laura ist halt komisch,
oft sah man sie im Café,
damals noch mit ihrem Kalle,
aber das ist schon ok.

Hand in Hand ging sie spazieren,
auch gern um das Dorf herum,
Samen suchend beim Flanieren
von den Gräsern rundherum.

Und in ihrer Langeweile
steigt die Laura auf die Mauer,
hält sich fest an einer Säule,
und dann grinst sie wieder sauer,

wirft den Samen in den Garten,
um den Garten zu zerstören,
Unkraut ist dort zu erwarten,
wo Gemüsepflanzen wären.

Früher einmal war der Garten
wie aus einem Bilderbuch,
wo die schönsten Blumen blühten,
wie Parfüm war der Geruch.

Das kann Laura nicht ertragen,
macht ihn nach und nach kaputt,
und man muss nicht lange fragen,
warum sie so Übles tut.

Tante Laura ist gespalten
schon seit vielen, vielen Jahren,
unchristlich ist ihr Verhalten,
unheilbar ist ihr Gebaren.

Episode 33

Tante Laura ist versorgt mit
einem Einfamilienhaus,
mit dem riesengroßen Garten,
und mit Geld und Gut und aus.

Alles ist ihr viel zu wenig,
wünscht Geschwistern einen Tod,
und dem Vater und der Mutter
und sogar dem lieben Gott.

Und dann sterben wirklich alle,
Vater, Mutter, Schwestern tot,
und sogar ihr Gatte Kalle,
Tante Laura droht und droht,

unterstellt der Nichte Lisa,
sie verfolge sie am Weg,
schmiere Wachs in die Laterne,
Herz und Engel seien weg.

Urenkel von Tante Laura
spielten dort an Kalles Grab,
und sie legten Herz und Engel
zwischen Blumen tief hinab.

Eine Krähe pickt aus Kerzen
weiches Wachs und stößt sie um,
und sie kleckert auf die Steine,
und die Sonne schmilzt es nun.

Und dann geht die Tante Laura
aber gleich zur Polizei,
lügt halt gern, dass Lisa klaute,
Kerzenwachs verschmiert dabei.

Lisa wird dann einvernommen
und die Aussage verdreht,
ohne Anwalt hinzukommen,
ist ein Ding, das gar nicht geht.

Episode 34

Tante Laura sieht gern Blaulicht,
und was jene niemals ahnen,
Tante Laura kann es planen,
niemand wagt, sie abzumahnen.

Lauras Fenster sind sehr staubig,
dunkle Wolken zieh‘n am Himmel,
von der Kirche kommt Geläute
und man sieht dort ein Getümmel.

Wische, wische! Mit Gezische
sprüht der Sprüher in die Tücher,
auf und ab und hin und her,
Laura wischt jetzt kreuz und quer.

Wenn die Laura Fenster reinigt,
wird die Nichte gleich gepeinigt.
Morgen, Lisa, wird’s was geben,
geht es wieder rund im Leben.

Schwingt die Laura ihre Lappen,
bleibt gewiss daran was pappen,
irgendetwas heckte Laura
immer aus, und immer saurer.

An das Ohr dringt Tü-Ta-Tü,
Streife kommt gleich in der Früh.
Niemals kommt sie einfach leise,
sondern immer auf die Weise,

dass sie alle Leute sehen
und an deren Fenster gehen,
und dann voller Neugier fragen,
was die Polizisten sagen.

Was soll Lisa Antwort geben?
Steht doch jeder voll daneben.
Einer glaubt nur, was er sieht,
meint, dass es mit Recht geschieht.

Episode 35

Vom Martinshorn das Tü-ta-tü
ist die Lieblingsmelodie
Tante Lauras, unentbehrlich,
klangvoll, angsteinflößend herrlich.

Auch die Postler sind gefährlich,
bringen Briefe, viermal jährlich,
die sie nicht empfangen wollte,
die sie unterschreiben sollte.

Rechnungen mal abgesehen,
die noch irgendwie so gehen,
vor Geburts- und Feiertagen
wird ein Amtsbrief zugetragen,

um Termine aufzudrängen,
eine Schande anzuhängen,
sie gehässig zu verhören,
sie zu brechen und belehren.

Kein Geburtstag ohne Sorgen,
gestern, heute und auch morgen,
das ist ganz moderne Folter.
Lisa sucht nach einem Schalter,

Terror einfach auszuklicken,
kann ihn aber nicht erblicken.
Eingedeckt mit Lauras Klagen,
muss sie Ladungen ertragen,

vor und zwischen Feiertagen.
Laura liebt es, ihr zu schaden.
Tante Laura macht verlässlich
auch Geburtstag unvergesslich,

um die Lisa zu bedrängen,
sich doch endlich aufzuhängen,
dass die Laura erben kann,
doch die Lisa denkt nicht dran.

Episode 36

Witwe Laura ging spazieren,
nachts nach zweiundzwanzig Uhr,
oder früh um Fünf am Morgen
machte sie die Frischluftkur.

Einen neuen Maschendrahtzaun
machte Lisa damals fest
an den Säulen, die zum Weg schau’n
und, was sich erwarten lässt,

ist dann sehr bald eingetroffen.
Mit der Zange aufgezwickt,
lagen Maschendrähte offen,
dass man Löcher gleich erblickt.

Diesen Schlamp kann sie nicht lassen,
Lisa hat den Zaun geflickt,
doch dem Täter wollt‘s nicht passen,
hat die Maschen eingeknickt.

Schlimm verbeult auf ganzer Strecke
ist der halbe Maschendraht,
was den Eindruck jetzt erwecke,
dass man ihn mit Füßen trat.

Drähte wurden rausgezogen.
Fragt sie wen, dann wird gelacht,
Maschen sind total verbogen,
keiner hat das nie gemacht.

Löcher macht der Heilige Geist
mit der Zange im Gefieder,
dieser Vogel ist sehr dreist,
bückt sich unsichtbar hernieder.

Knicke, Knacke noch und noch,
denn ein Zaun kann sich nicht wehren,
so entsteht bald Loch um Loch,
später wird es Lisa klären.

Episode 37

Unter Zeitungsinseraten
warten Mörder, die erbaten
Freundschaften mit jungen Frauen.
Tante Laura tat sie schauen,

mochte diese gleich besorgen,
um die Lisa zu ermorden.
Mone schrieb auf der Maschine
Briefe wohl in Lauras Sinne.

Lange Briefe, handgeschrieben,
schickte Laura auch persönlich
an die Mörder ins Gefängnis,
kamen Lisa zu Gesichte.

Die Adresse ihrer Nichte
sandte Laura gern an Dritte,
und das waren Strafinsassen,
sich mit Lisa zu befassen.

Meldeten sich telefonisch,
und das war zu Anfang komisch.
Manche Mörder vom Gefängnis
fühlten sich gar in Bedrängnis,

wandten sich an die Berater,
holten sich dort einen Rat her,
was sie nunmehr machen sollten,
als sie Lisa schreiben wollten.

Mehrfach-Mörder vom Gefängnis
schrieben Lisa selbstverständlich
schöne Briefe hin und wieder,
liebevoll und sanft und bieder:

„Liebe Lisa, sei nicht ängstlich“,
schrieb ein Mörder gegenständlich,
„denn ich will dir nur berichten
über Lauras Mordabsichten.

Episode 38

Trifft die Mone auf die Lisa
glotzt sie in die Augen dieser,
stechend ist ihr Blickkontakt,
der viel mehr als Worte sagt.

Mones Augen sagen ehrlich,
aufgehetzt ist sie gefährlich.
Ihr Benehmen wird dann grässlich
und ihr Aussehen fast hässlich.

Laura wird daneben lachen,
flüstert lauter dumme Sachen,
will die Lisa provozieren,
und es wird gleich eskalieren,

irgendwo in einem Kaufhaus.
Tante Laura schaukelt gern auf.
In Begleitung ihrer Töchter
gibt es grundlos viel Gelächter.

Und dann lachen sie satanisch
und verlegen und hysterisch,
und verleumden Lisa boshaft
bei der Supermarktbelegschaft.

Tante Laura ist verlogen,
ihre Mone ungezogen,
weiß nicht mal, was sich gehört,
hat es gar nicht aufgeklärt.

Wo sie Lisa shoppen sehen,
folgen sie ihr hinzugehen,
und sie machen böses Blut,
und sie sagen, das tut gut.

Über Lisa dominieren
wollen diese sich probieren,
weil sie nicht barmherzig fühlen,
sondern nur im Schmutze wühlen.

Episode 39

Witwe Laura hat ein Gärtlein
mit Gemüse und mit Kräutlein
für sich selber angelegt,
das sie täglich gießt und pflegt.

Eingesäumt von bunten Blümchen,
wachsen zarte Kopfsalatchen.
Blaues, Gelbes, Grünes, Rotes,
was das Herz begehrt, das bot es.

Tante Laura ist sehr geizig,
und sie übt sich darin fleißig.
Gar kein Stück hat sie je übrig,
und die Lisa ist so hungrig.

Backt die Laura einen Kuchen,
darf sie Lisa nicht besuchen,
zugezäunt hat sie das Gatter,
undankbar ist sie dem Vater,

der es einmal fabrizierte,
und dann wunderschön lackierte,
darauf legt sie keinen Wert,
seine Arbeit nicht geehrt.

Kalle hat es ausgehoben
und dort Maschendraht gezogen,
mit dem Stacheldraht umwunden,
und das Gatterl ist verschwunden.

Kleingeschnitten von dem Kalle,
aufgeheizt in diesem Falle,
Lisas Opa war betrübt,
dass es so viel Undank gibt.

Witwe Laura hat ein Kätzchen,
dann ist sie nicht mehr allein,
baut Gemüse an und Blümchen,
und sie könnte glücklich sein.

Episode 40

Tante Laura hat Geburtstag,
wo sie gerne grillen mag,
lädt sich Gäste in den Garten,
um Gegrilltes aufzuwarten:

beide Töchter mitsamt Anhang,
und dann geht die Party an.
Von dem Griller heben Düfte
sich hinauf hoch in die Lüfte,

bis die ganze Nachbarschaft
auf das Fest der Laura gafft.
Spanferkel wird da gebraten,
Lammkoteletts sind gut geraten,

Bier gibt es zur Bratensoße,
Alkohol ist nur für Große,
Urenkel bekommen Säfte,
ihre Väter kippen Schnäpse.

Lauras Schwiegersohn am Griller,
Zigarettenduft vor Villa,
lauer Wind zieht die Gerüche
aus der Gartengrillerküche

bis hinauf in Lisas Garten,
wo sie nur noch darauf warten,
dass die Fenster offen stehen,
und dann in die Räume gehen.

Man hört klappern auf die Teller,
immer lauter immer schneller,
und sie klappern mit Bestecken,
um die Lisa wohl zu necken.

Laura hält dann eine Stunde
einen Vortrag vor der Runde,
wo sie über Lisa spricht,
etwas Gutes sagt sie nicht.

Episode 41

Lisa ging am Sonntagmorgen
eine Zeitung sich besorgen,
schleicht von hinten aus dem Busch
Tante Laura, husch, husch, husch,

schlägt von hinten mit dem Stock
armer Lisa auf den Kopf.
Tante Laura ist entbehrlich,
angriffslustig und gefährlich.

Krächzend, wie ein alter Rabe,
fördert sie Gesang zu Tage,
provozierend, aggressiv,
geht zu weit und viel zu tief.

Lisa geht aus ihrem Haus,
Tante Laura schaut hinaus,
läuft sofort zu ihr herüber,
und beflegelt sie dann wieder.

Oh, sie nimmt sich mächtig wichtig,
und beschimpft die Nichte tüchtig,
faul sei sie, ein Taugenichts,
sei nicht wert des Sonnenlichts.

Ach, sie krächzt gern krah, krah, krah,
unsinnig viel Pla, Pla, Pla,
textet Nichte Lisa zu,
lässt sie einfach nicht in Ruh,

hat sie vor der ganzen Welt
isoliert und bloßgestellt,
und damit muss Lisa leben,
so ist die Verwandte eben.

Tante Laura macht das gütlich,
grinst dann wieder recht gemütlich,
sammelt abermals die Kräfte,
heimlich trinkt sie Kräutersäfte.

Episode 42

War die Lisa über dreißig,
bei der Arbeit immer fleißig,
sparte für ein Kraftfahrzeug,
hatte jemand nicht gescheut,

Lisas Auto zu zerkratzen,
und die Zeugen waren Spatzen,
zwitscherten vom Waldesrand,
Nachbarn sind dazu imstand.

Dreimal einen neuen Wagen
kratzte jemand ohne Fragen,
stand er auf dem Parkplatz wo,
war der Jemand drüber froh,

packte gleich den Nagel aus,
unbemerkt kratzt er darauf
über lange linke Seite,
wo sich jemand gern erfreute.

Tante Laura kann nicht fahren,
hatte keinen Führerschein,
und verleumdete vor Jahren
ihre Nichte ungemein,

dass man ihr die Fahrerlaubnis
einfach so entziehen soll,
und das taten die Beamten,
und das war nicht wundervoll.

Was die alles dann erfanden,
schoss die Friedenstaube ab,
dicke Akte sind vorhanden,
und das kostete nicht knapp,

dieses Unrecht nachzuweisen,
bis die Menschen das begreifen.
Tante Laura ist kein Engel,
umfangreich sind ihre Mängel.

Episode 43

Tante Laura war sehr strikte,
aus der Luft griff sie Delikte,
Kalle fuhr zur Polizei,
logen dort dann alle zwei,

ließen Anzeigen verfassen,
Lisa soll sich beugen lassen,
tausend Mal wird sie verhört,
aber nie wird aufgeklärt,

dass verwandte Nachbarn lügen,
ihre Heiligenscheine trügen.
Aussage gegen Aussage steht,
alles sich ums Erbe dreht.

Kam die Uniform zu Lisa,
grinste Laura mit Gekicher,
kauten sie an alten Dingen,
die längst zu Gerichte gingen

und auch schon entschieden waren,
vor rund zehn bis zwanzig Jahren.
Freispruch wollte niemand glauben,
Lisas Freiheit lieber rauben,

schrieben Märchenprotokolle,
fehlerhaft, wie einer wolle.
rollten alles endlos auf,
klauten grundlos wieder drauf.

Wenn die Tante Laura poltert,
wurde Lisa gleich gefoltert,
stundenlang, das war nicht schön,
das zu fühlen, das zu seh'n,

zwangen sie, zu unterschreiben,
Dichtung, die sie übertreiben.
Gegen Lisa, die sich weigert,
wurde die Gewalt gesteigert.

Episode 44

Was die Hüter je erhoben,
wurde Lisa unterschoben,
tausend Male vorgekaut,
ungeprüft und ungeschaut.

Was die Lügner alles logen,
wird geglaubt und noch verbogen,
zusätzlich noch was erfunden,
statt sich rechtens zu erkunden:

Wie sie auf die Lisa hacken
und sie immer wieder packen,
dies und jenes unterstellen,
und sie mittels Folter quälen.

Gerne übte sie Revanche,
doch sie unterlässt die Chance,
sie kann eigentlich nur beten,
einmal holt die Sense jeden.

Sechzig Jahre sind vergangen,
doch in Lisas Strafregister
ist kein Eintrag eingegangen,
dass ein jeder staunen müsste.

„Lassen Sie sich nichts gefallen,
bei dem Aufeinanderprallen“,
meinte damals ein Jurist,
was ja nicht so einfach ist.

Sie hat nichts mehr zu verlieren,
außer ihren lieben Tieren,
und ein Haus mit schönem Garten,
auf das Lauras Töchter warten.

Soll sie es verprozessieren,
um es schließlich zu verlieren?
Ja, das würde recht schön passen,
Lisa wird es unterlassen.

Episode 45

Tante Laura ist sehr mühsam,
niemals wäre sie genügsam.
Alles ist ihr viel zu wenig,
auf die Nerven geht sie ständig.

Lisa schreibt für sie Gedichte,
und wie dankt sie’s ihrer Nichte?
Zaubert Terror zum Quadrat,
wo sie niemand darum bat.

Lisa ist ja nicht gefährlich,
und so ist es unerklärlich,
was sie von der Lisa wollen,
ist bei ihr doch nichts zu holen!

Lauter Ramsch und alte Sachen,
die nicht wirklich glücklich machen,
keiner haben will und wollte,
wo man sich kein Schnäppchen holte.

Altmodisch und modrig riechend,
schimmelig, Jahrzehnte siechend
liegt Gelump in kalten Räumen,
kein Vermögen zu erträumen.

Gold und Geld sind längst gestohlen,
Räuber Rudi kam es holen
samt dem Brennholz aus dem Garten.
Viel ist nicht mehr zu erwarten.

Lisas Garten ist verwildert,
wie in Versen schon geschildert,
von den Räubern stark beschädigt
und vom Unkraut ganz entwürdigt.


Auch das Chaos wächst quadratisch,
durch die Räuber, die fanatisch
Lisas Erbe oft durchwühlen,
alles Brauchbare zu stehlen.


Episode 46

Tante Laura ging mal beichten,
statt Gewissen zu beleuchten,
hetzte sie den Pfarrer auf
auf dem Knie im Gotteshaus,

gegen Lisa vorzugehen,
polizeilich reinzudrehen,
doch der Priester sprach nur polnisch,
Laura fand das nicht so praktisch.

Stand die Nonne auf dem Friedhof,
ging die Laura gleich auf sie los,
und beklagt sich über Lisa,
doch die Kirche ist Nutznießer,

wo die Lisa ehrenamtlich
Kirche staubsaugt ganz gesamtlich,
fleißig Ostersträuße bindet,
sich halt einbringt, wie man findet.

Dort ist Laura abgeblitzt,
und das hat sie gleich gespitzt,
Jesus sah und hat erkannt,
Laura ist davon gerannt,

geht nur selten mehr zu Messen,
hat auf Christus ganz vergessen.
Was sie Lisa alles tut,
tut sie Jesus nur aus Wut,

weil sie schließlich erben will.
Tante Laura fordert viel,
statt die Bibel mal zu lesen.
Christlich ist sie nie gewesen.

Schauplatz ist ein Dorf im Süden.
Tante Laura wird ermüden,
scharfe Polizeipistolen
weiterhin herbeizuholen.

Episode 47

Tante Laura macht sich Sorgen,
wie es weitergeht nach ihr,
wenn sich eines schönen Morgens
auftut eine Himmelstür,

wo der Kalle auf sie wartet
und die Engel im Spalier,
Ankunftsfeier für sie startet
mit dem Teufel am Klavier.

Wenn sie in den Himmel einzieht,
kommt sie nicht mit leerer Hand,
Gräsersaatgut bringt sie auch mit,
lang gesammelt, gut geplant.

Und für Kalle einen Hammer,
dass er wieder hämmern kann.
Tante Laura wird sehr jammern,
weil sie selbst nicht erben kann,

Haus und Garten, Gut und Geld.
Gleich entsorgt wird das Gerümpel,
was an ihre Töchter fällt,
aufgelassen wird der Tümpel.

Vollgepackt mit Kleidersäcken
fahren sie zur Sperrmüllstätte
und mit alten Möbelstücken,
die man nicht mehr gerne hätte.

Leergeräumt das ganze Häuschen
wird es innen ausgemalt,
Tante Laura wär gern Mäuschen,
wer das alles macht und zahlt.

Und wer dann ins Häuschen zieht,
wo die Laura geistern wird,
keiner weiß, was dann geschieht,
und wohin der Spuk noch führt.


Episode 48

Tante Laura liebt das Leben
und das Leid von ihrer Nichte.
Viele Streiche hat’s gegeben,
und die Lisa schreibt Gedichte

über Tante Lauras Streiche.
Laura scheitert bei Gerichten.
Oh, sie schildert oft das Gleiche
in den Polizeiberichten.

Immer wieder wurde Lisa
ganz verunglimpft dargestellt,
und die Lügen Tante Lauras
haben nie ihr Ziel verfehlt,

Lisas Leben lahmzulegen,
und ihr Geld vom Tisch zu wischen,
Rechtsanwälte nie verlegen,
darin auch noch mitzumischen:

bissig ihre Niederschriften,
welche Forderungen spiegeln,
die ins Uferlose driften,
und im Sinne aufzuwiegeln.

Lebenslang versuchte Laura,
Lisas Leben abzutreiben.
Ach, nach mehr als 60 Jahren
sollte es mal unterbleiben.

Tante Laura wollte erben,
jedes Mittel war ihr recht,
würde Lisa daran sterben,
wär kein Mittel ihr zu schlecht.

Garantiert steht außer Zweifel,
Polizisten haben Mängel,
Lauras Gene sind vom Teufel,
Lisa ist und bleibt ein Engel. 

Episode 49

Tante Laura geht zu Fuß
Kalles Grab am Friedhof pflegen,
weil sie sich bewegen muss,
und das ist am Berg gelegen.

Auto hat sie keines mehr,
und sie kann auch gar nicht fahren,
Kalles Wagen gab sie her,
als er starb vor bald zehn Jahren.

Tante Laura geht es gut,
wird im Sommer dreiundachtzig,
wenn sie nicht beim Fernsehen ruht,
wandert sie und macht sich

nützlich, selbst in Haus und Garten,
reinigt Fenster alle selber,
kann vom Leben was erwarten,
braucht noch keinen Pflegehelfer.

Ihre Töchter kommen beide
regelmäßig unterdessen,
mal die eine, mal die andre
holen Laura ab zum Essen.

Von der kleinen Witwenrente
kann die Laura sehr gut leben,
und an ihre Allerliebsten
regelmäßig etwas geben:

Urenkel und Enkelkinder
sieht man bei ihr äußerst selten,
einmal jährlich zum Geburtstag,
dass sie sich mal bei ihr melden.

Eine ist dem Bauernsohn
angetraut und lebt am Gute
vom Erfolg der Produktion
der beliebten Bio-Pute.

Episode 50

Witwe Laura weint am Grabe
am Karsamstagnachmittag,
weil sie ein Geheimnis habe,
was sie Kalle sagen mag.

Kalle ist im kalten Himmel
oder in der heißen Hölle,
früher las er Mario Simmel,
und er schwang die Maurerkelle.

Laura ahnt nicht, was der Kalle
in der Ewigkeit dort macht,
ob er runterschaut auf alle,
und dabei noch zynisch lacht,

wenn er mit den Engerln flirtet,
oder ob er sie vermisst.
Der Verdacht hat sich erhärtet,
dass die Laura es vergisst,

dass der Kalle ihre Kinder
und auch Tante Laura schlug,
aggressiver war im Winter,
trotz des Stempelgeldbezugs.

Er war gar nicht auszuhalten,
wenn er nicht zur Arbeit ging,
und die Ohrfeigen erschallten,
die man auch im Sommer fing.

Tante Laura geht zum Gärtner
und sie kauft Violen ein,
in diversen schönen Farben
und sie duften zart und fein.

Viel zu schade für den Kalle,
er verdient den Feigenkaktus,
oder eine Distelblume
und statt Engel einen Krampus.

Episode 51

Witwe Laura war nicht da,
niemand wusste, wo sie war,
die Kontrollen, die man sah,
waren abends sonderbar.

Lauras Langhaar-Katze lief
in der Dunkelheit aufs Feld,
keiner da, der nach ihr rief,
keiner, der etwas erzählt.

Ihre Töchter kamen her,
mit dem Auto und zu Fuß,
auffällig und immer mehr
und die Enkel auch zum Schluss.

Angezogen ganz in Schwarz,
aber Witwe Laura lebt,
ab und an sieht man die Katz‘,
schön gebürstet und gepflegt.

Laura ist jetzt wieder da,
ihre Stimme hörte man,
wenn man sie auch noch nicht sah,
weil sie jetzt nicht laufen kann.

Eine Woche fehlte sie,
irgendetwas ist passiert.
Lisa sagen sie es nie,
was jedoch nicht helfen wird.

Weiß der Himmel, was sie hat,
ihre Töchter sagen nichts,
büßt jetzt wohl für eine Tat:
Gottes Wille - recht geschieht’s!

Und der Räuber Rudi G.
plündert jetzt mit seinem Clan,
und er tut den Opfern weh,
wo sich niemand wehren kann.

Episode 52

Witwe Laura hat Rollator,
werkelt aber schon im Garten,
zupft jetzt Unkraut mit Rollator,
scheint was Schlimmes zu erwarten.

Es wird sich um sie bemüht,
ihre Töchter kommen täglich,
dass für sie das Leben blüht,
machen es so schön, wie möglich.

Keiner da, der sich wo querstellt,
wie der Lisa seinerzeit,
als sie ihre Oma pflegte,
machte man ihr dauernd Streit,

nahm ihr weg den Führerschein,
forderte für sie Verfahren,
machte sie kaputt und klein,
das geschah in all den Jahren,

bis die Angehörigen von Lisa,
auf dem Friedhof Ruhe fanden,
Mitleid mit der armen Lisa
hatte niemand der Verwandten,

und das war aus Erbschaftsgründen,
Lisas Erbe zu verhindern,
Witwe Laura büßt die Sünden
und auch die von ihren Kindern.

Angeliefert kommt das Essen,
Pflegekräfte sieht man morgens,
von den Töchtern gut ermessen,
müssen selber nichts besorgen.

Auch der Garten wird gerichtet,
Witwe Laura kann nicht mehr,
Krankenwagen wird gesichtet,
Räuber plündern Lisa leer.

Episode 53

Tante Laura ist verstorben,
im November in der Früh,
Lisa wird den Kranz besorgen,
weiß noch nicht, warum und wie.

Sie war ja erst dreiundachzig,
und im Sommer noch gut drauf,
ihre Stimme wirkte kratzig,
plötzlich hört ihr Leben auf.

Lilli, Tante Lauras Katze,
wird jetzt wohl sehr traurig sein.
Lisa wird sie nicht mehr sehen,
denn man holt sie demnächst heim,

zu dem Hofe, wo sie herkam,
weit entfernt zu einem Bauern.
Lisas Fritzi wird sehr einsam
wochenlang um Lilli trauern.

Sie wird aber dort nicht bleiben,
nach sechs Wochen taucht sie auf,
sitzt bei Frost auf ihrer Wiese,
Lisa holt sie in ihr Haus,

wärmt die unterkühlte Katze,
füttert sie im Kuschelbett,
und sie bleibt gleich hier am Platze,
wo sie oft hinüberspäht,

in den Garten von der Laura,
wo sie mal zu Hause war,
und das dauert schon drei Jahre,
ihre Sehnsucht ist noch da,

wartet wo auf Lauras Rufe,
die schon längst verklungen sind,
sitzt auf der Terrassenstufe,
und miaut noch treu gesinnt.

Episode 54

Tante Lauras Diagnose war
Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Bis ins letzte Lebensjahr
war sie rübig unterwegs.

Schlaganfälle trafen sie
in den allerletzten Tagen,
ob aus Strafe oder wie,
kann wohl keiner richtig sagen.

Meistens gab man Lisa schuld,
wer ist Lauras Übeltäter?
Laura trug es mit Geduld,
unterschätzt den Kreuzanbeter.

Tante Laura geht es gut,
unter Erde, unter Blüten,
hinterlässt das böse Blut
mit dem Auftrag, es zu hüten.

„Liebe Laura, schlafe wohl,
Sünden hast Du abgebüßt,
Fässer sind mit Tränen voll,
sei von Lisa lieb gegrüßt!“

Die von Laura Aufgehetzten
werden sich wohl niemals wandeln,
die die Lisa oft verletzten,
werden weiter böse handeln.

Und so wird sich nicht viel ändern,
Lauras Tod bringt keine Wende,
nicht einmal die kleinste Pause,
und man reicht sich nicht die Hände.

Schweigen ist jetzt angesagt,
dass sie ruht im Ewig-Frieden,
Kerzenlicht ist auch gefragt,
Episoden sind geschrieben.

Episode 55 - Epilog

Tante Laura hat ihr Grundstück
von den Eltern einst bekommen,
darauf bauten sie ein Wohnhaus,
und daneben ein Gebäude

für das Holz und als Garage,
unterstützt von Opas Schwester. 
Vor dem Einbruch war nichts sicher.
In der Straße wohnen Räuber.

Gut gemeint, doch schlecht getroffen,
hat die Laura beiden Töchtern
den Besitz schon längst gegeben,
und aus ganz banaler Geldgier,

haben sie ihn gleich veräußert,
das, obwohl die Jüngere
selbst kein Eigentum besitzt.
Gerne wär‘ sie eingezogen

in ihr Elternhaus mit Garten,
hatte aber nicht die Mittel,
ihre Schwester auszuzahlen,
die den Bungalow besitzt.

Tante Laura war begraben,
Immobilie gleich verkauft,
und ein vorbestrafter Trinker
zog mit Fußfessel dann ein.

Jetzt muss Lisa viel ertragen:
Gartenmauer wird zerstört;
von der lauten Patchwork-Gruppe,
wird die Lisa schlimm gemobbt,

wenn sie auf die Straße geht,
oder wo im Garten steht,
weil man sie vertreiben möchte,
um ihr Grundstück abzujagen.

Jetzt ist die Tante fortgegangen,

ein neues Dortsein anzufangen,
im Himmel, wo die Sterne sind.

Sie ist zum Friedhof hingezogen,
und mit den Engeln fortgeflogen,
in aller Stille, gut gesinnt.

Erlösung wird sie dort erhalten,
die Sterne zählen und verwalten,
und findet sich ein neues Glück.

Dort trifft sie auf die Ahnen wieder,
und schaut zu ihren Liebsten nieder,
zur Erde kommt sie nicht zurück.

Verwandte werden an sie denken,
ein Licht entzünden, Blumen schenken,
ihr Leben hat sie gern versüßt.

Die Tante war nicht allen gütig,
nur ihren Liebsten edelmütig,
die Sünden hat sie abgebüßt.

Die Wahrheit kam nicht mehr zu Tage,
das ist sehr tragisch und sehr schade,
für Opfer, die auf Erden sind.

Man gönnt der Toten sanfte Ruhe
in ihrer hellen Eichentruhe,
die hat sie sich verdient.